Transformationsfonds spielen im deutschen Markt bislang kaum eine Rolle
Photo credit: Casey Horner – Unsplash+
Der Bundesverband Investment und Asset Management e. V. berichtet:
Ende Juni verwalteten Publikums- und Spezialfonds nach Artikel 8 und Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) insgesamt 1.491 Milliarden Euro. Das sind 110 Milliarden Euro beziehungsweise knapp 8 Prozent mehr als Ende 2025. Das Fondsvermögen der Publikumsfonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen stieg von 901 Milliarden Euro auf 981 Milliarden Euro. Bei Spezialfonds erhöhte es sich von 480 Milliarden Euro auf 509 Milliarden Euro.
Der deutliche Vermögensanstieg ist jedoch vor allem auf die positive Entwicklung an den Kapitalmärkten zurückzuführen. Das Netto-Mittelaufkommen blieb verhalten. Im ersten Halbjahr 2026 flossen Publikums- und Spezialfonds nach Artikel 8 bzw. 9 zusammen netto lediglich 4 Milliarden Euro zu. Davon entfielen 1,3 Milliarden Euro auf Publikumsfonds und 2,7 Milliarden Euro auf Spezialfonds. Zum Vergleich: Fonds ohne Nachhaltigkeitsmerkmale verzeichneten im ersten Halbjahr 2026 Nettozuflüsse von insgesamt 75,4 Milliarden Euro.


Im Zuge der SFDR-Reform plant die Europäische Kommission, die bisherigen Transparenzvorschriften durch ein System klar definierter Nachhaltigkeitskategorien zu ergänzen. Im Mittelpunkt der Diskussion steht unter anderem die Einführung einer „Transition“-Kategorie. Sie soll Fonds umfassen, die in Unternehmen im Übergang zu nachhaltigeren Geschäftsmodellen investieren. Kapital soll dadurch nicht nur in bereits CO₂-arme Wirtschaftszweige, sondern auch dorthin gelenkt werden, wo Unternehmen glaubwürdige Transformationspfade verfolgen und ihren Treibhausgasausstoß schrittweise verringern.
Eine Auswertung des deutschen Fondsmarktes anhand von Fondsnamen zeigt, dass solche Strategien bislang nur eine geringe Rolle spielen. Grundlage der Analyse ist die ESMA-Fondsnamenrichtlinie. Sie definiert eine eigene Gruppe von transformationsbezogenen Begriffen. Hierzu zählen unter anderem „Transition“ oder „Fortschritt“. Diese Namenszusätze sind nach dem ESMA-Konzept ausdrücklich mit Transformationsstrategien verknüpft.
Auf Basis dieser Namensbestandteile lassen sich derzeit rund 200 Fonds beziehungsweise Anteilklassen als Transformationsfonds identifizieren. Zusammen verwalten sie 9,2 Milliarden Euro für Anleger in Deutschland. Gemessen am Vermögen nachhaltiger Publikumsfonds von rund 981 Milliarden Euro entspricht ihr Marktanteil weniger als ein Prozent. Rund 70 Prozent des Vermögens entfallen auf Fonds mit dem Schlagwort „Transition“, ein weiteres Viertel auf „Net Zero“. Andere Begriffe spielen eine untergeordnete Rolle.
Mit einem verwalteten Vermögen von 5,7 Milliarden Euro machen ETFs, die Climate-Transition-Benchmarks (CTB) oder Paris-Aligned-Benchmarks (PAB) nachbilden, mehr als die Hälfte des Marktes für Transformationsfonds aus. Die beiden von der EU definierten Anforderungen an Referenzindizes zielen auf Klimaneutralität bis 2050 ab, wobei PABs eine stärkere Mindestreduktion von Treibhausgasemissionen und strengere Ausschlüsse vorsehen. Geeignete Konzepte für Transformationsinvestitionen sind also bereits vorhanden. Ihre Verbreitung im deutschen Fondsmarkt ist jedoch begrenzt.
Die geplante SFDR-Reform könnte daher nicht nur die Schwächen des bisherigen Klassifizierungssystems adressieren. Sie dürfte zugleich dazu beitragen, Transformationsstrategien als eigenständigen Ansatz nachhaltigen Investierens sichtbarer zu machen und Anlegern eine bessere Orientierung zu geben. Um diesem Zweck gerecht zu werden, sollte die Kategorie Investitionen nicht durch übermäßig restriktive Ausschlusskriterien unnötig einschränken. Zudem ist wichtig, dass Transformationsinvestitionen auf globaler Basis möglich bleiben und der regulatorische Rahmen ausreichend Flexibilität für unterschiedliche Anlageklassen und Anlagestrategien bietet.
Diese Nachhaltigkeitsanalyse sowie weitere finden Sie bei BVI Fokus Nachhaltigkeit.
Published by
investESG
investESG