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Listed Private Equity: Attraktive Bewertungen treffen auf langfristige Chancen

Ein Kommentar von Benjamin Lorenz, Senior Portfoliomanager bei der Partners Group, zu Listed Private Equity und den derzeit attraktiven Perspektiven der Anlageklasse

Published by investESG on 2026-08-26
Photo credit: Partners Group
Benjamin Lorenz, Senior Portfoliomanager bei der Partners Group
Die Kursentwicklung von Listed Private Equity vermittelt derzeit ein anderes Bild als die fundamentale Verfassung des Sektors vermuten lässt. Während börsennotierte Private-Equity-Unternehmen im bisherigen Jahresverlauf hinter dem breiten Aktienmarkt zurückgeblieben sind, haben sich die operativen Kennzahlen vieler Gesellschaften dennoch weiterhin positiv entwickelt. Genau diese Diskrepanz hat die Bewertungen auf ein ansprechendes Niveau sinken lassen und eröffnet langfristig orientierten Investoren interessante Einstiegsmöglichkeiten. In Verbindung mit intakten strukturellen Wachstumstreibern und einer langfristigen Outperformance gegenüber dem MSCI World spricht derzeit vieles für die Anlageklasse.
Listed Private Equity verbindet die Renditechancen privater Unternehmensbeteiligungen mit den Vorteilen börsennotierter Anlagen. Anleger erhalten einen börsentäglich liquiden Zugang zu Private Equity und können ihr Portfolio um eine Renditequelle ergänzen, die zusätzliche Diversifikationspotenziale gegenüber den zuletzt stark von Technologie- und KI-Werten geprägten Aktienmärkten bietet.
Fundamentaldaten sprechen weiterhin für den Sektor
Die schwächere Kursentwicklung steht in deutlichem Kontrast zur operativen Entwicklung vieler Unternehmen. Alternative Vermögensverwalter stellen einen bedeutenden Teil des Anlageuniversums dar und konnten ihre Marktpositionen weiter ausbauen. Neben der Erweiterung ihrer Produktpalette und der Einführung von Evergreen-Lösungen haben sie Kundengelder in Rekordhöhe akquiriert und angelegt. Die andere Hälfte bilden börsennotierte Private-Equity-Beteiligungsgesellschaften. Viele dieser Unternehmen nutzten die deutlichen Abschläge ihrer eigenen Aktien zum Nettoinventarwert (NAV) für umfangreiche Aktienrückkäufe. Unterstützt durch den Einfluss aktivistischer Investoren konnten sie den Nettoinventarwert je Aktie steigern und zusätzlichen Wert für ihre Aktionäre schaffen. 
Auch im Vergleich zum breiten Aktienmarkt erscheint Listed Private Equity derzeit attraktiv bewertet. Während der MSCI World mit einem erwarteten KGV von rund 19 über seinem Zehnjahresdurchschnitt von 17 notiert, werden zahlreiche börsennotierte Private-Equity-Beteiligungsgesellschaften mit Abschlägen von 30 bis 40 Prozent auf ihren zuletzt veröffentlichten NAV gehandelt. Damit liegen die Bewertungen deutlich unter ihrem langfristigen Durchschnitt und eröffnen aus historischer Sicht attraktive Einstiegsmöglichkeiten.
Mehrere strukturelle Wachstumstreiber unterstützen die Entwicklung
Neben den attraktiven Bewertungen sprechen auch langfristige Trends für das Segment. Zusätzliche Impulse kommen aus dem US-Pensionssystems (401(k)) sowie durch die potenzielle Aufnahme weiterer alternativer Vermögensverwalter in den S&P 500. Auf Seiten der börsennotierten Private-Equity-Beteiligungsgesellschaften stützt sich das Potenzial hingegen auf hohe Abschläge zum NAV, das verstärkte Engagement aktivistischer Anleger sowie umfangreiche Aktienrückkaufprogramme. 
Diese strukturellen Faktoren haben dazu beigetragen, dass Listed Private Equity über längere Zeiträume stärker gewachsen ist als der breite Aktienmarkt. Über die letzten zehn Jahren wurden jährliche Mehrerträge von über einem Prozentpunkt gegenüber dem MSCI World Index erzielt.
Das makroökonomische Umfeld bleibt kurzfristig entscheidend
Neben den unternehmensspezifischen Faktoren prägen auch makroökonomische Einflüsse das Bild für Listed Private Equity. Die weiterhin angespannte geopolitische Lage belastet das Segment durch erhöhte Volatilität und eine merklich gedämpfte Transaktionsaktivität der Constituents. Letztere ist jedoch von zentraler Bedeutung für die Ertragsgenerierung innerhalb von Private Equity: Vor allem bei Unternehmensverkäufen, den sogenannten Exits, werden Gewinnbeteiligungen – auch als Carried Interest bezeichnet – realisiert und an Investoren ausgeschüttet. In einem von Unsicherheit geprägten Umfeld fällt es Käufern wie Verkäufern schwer, verlässliche Annahmen zur künftigen Geschäftsentwicklung zu treffen, weshalb Transaktionsentscheidungen vielfach aufgeschoben werden. Zusätzlich belasten erhöhte Zinsen das Segment, da sie sowohl die Akquisitionskosten als auch die laufende Fremdfinanzierung von Übernahmen verteuern.
Beide Faktoren – geopolitische Spannungen und das Zinsniveau – drücken derzeit auf die Renditen von Listed Private Equity. Gleichzeitig birgt eine mögliche Entspannung dieser Rahmenbedingungen erhebliches Aufholpotenzial. Sollten die Zinsen sinken und die geopolitischen Risiken abnehmen, würde dies ein deutlich günstigeres Umfeld für Listed Private Equity schaffen. In einem solchen Szenario dürften die Portfoliobewertungen steigen und die Transaktionsaktivität – insbesondere auf der Verkaufsseite – wieder Fahrt aufnehmen. Die daraus resultierenden Rückflüsse an Investoren könnten Kapital für neue Investitionen in das Segment freisetzen.
Fazit
Listed Private Equity verbindet die langfristigen Renditechancen privater Unternehmensbeteiligungen mit der Flexibilität börsennotierter Anlagen. Trotz der zuletzt verhaltenen Kursentwicklung sprechen die Fundamentaldaten weiterhin für den Sektor. Gleichzeitig eröffnen die attraktiven Bewertungen in Verbindung mit intakten strukturellen Wachstumstreibern und einer möglichen Verbesserung des makroökonomischen Umfelds interessante Perspektiven für langfristig orientierte Anleger.
Published by investESG
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