Ophelie Mortier, Chief Sustainable Investment Officer von DPAM, wirft einen Blick aus der Nachhaltigkeitsperspektive auf den Rest des Jahres: Energiekrisen, wechselhafte Signale aus der Politik und neue Regeln – Quellen für kurzfristige Ungewissheit gibt es reichlich. Langfristige Trends sind daher relevanter denn je: Dekarbonisierung, Energiewende, Digitalisierung und Klimaanpassung. Unternehmen investieren ebenfalls langfristig. Sie wollen Energie und Ressourcen effizienter nutzen, Belegschaften angesichts der demografischen Veralterung bei der Stange halten und sicherstellen, dass sie inmitten der brisanten weltpolitischen Lage angemessen agieren.
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Ophélie Mortier
Kurs halten in
turbulenten Zeiten
Die jüngsten
Entwicklungen zeigen, wie notwendig Dekarbonisierung, Energiewende und
Kreislaufwirtschaft sind. Die Versuchung, Portfolios als Reaktion auf
kurzfristige Ereignisse radikal umzuschichten, ist groß. Entscheidend aber ist,
fokussiert zu bleiben und den Kurs zu halten.
Besonders herausfordernd
sind die wechselnden politischen Signale und regulatorischen Bedingungen.
Abrupte Veränderungen wie die Entscheidung der US-Regierung, Subventionen für
die E-Fahrzeugindustrie zu streichen, können zu erheblichen Verlusten führen.
Auch die mit der Übergangsfinanzierung verbundenen Risiken sind groß: Sowohl
ein zu spätes als auch ein zu frühes Handeln kann problematisch sein.
Herausfordernd sind auch
die ESG-Strategien selbst. Strategien, die den Ausschlusskriterien der
Paris-Aligned Benchmark unterliegen, haben gelitten, weil sie Sektoren wie
Energie und Verteidigung ausschließen. ESG ist jedoch nicht mit einem
pauschalen Ausschluss dieser Sektoren gleichzusetzen. Der Energiesektor umfasst
schließlich auch erneuerbare Energien, Speicherung, Batterien und
Elektrifizierung.
Dekarbonisierung in der
Stromerzeugung
Angesichts des
„Accelerate EU“-Plans der Europäischen Kommission als Reaktion auf den
Irankrieg bleiben die Signale für Batterien, Stromnetze und ausgewählte
Segmente der industriellen Dekarbonisierung positiv. Der Plan trägt zur
Dekarbonisierung der Stromerzeugung bei.
Auch weltweit geht die
Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen zurück, obwohl die Stromnachfrage
wächst. Damit steigt das Übergangsrisiko für reine Kohleanlagen und im Laufe
der Zeit auch für Gasanlagen.
Unternehmen mit starken
Projektpipelines in den Bereichen Solar, Wind und Speicherung sowie solche, die
langfristige Stromabnahmeverträge mit Technologieunternehmen abschließen
können, sind im Vorteil. Netz- und Infrastrukturanbieter, die in Übertragungs-,
Verteilungs- und Smart-Grid-Technologien investieren, sind ebenfalls gut
positioniert, zumal der Ausbau von Solar- und Speicheranlagen in China und den
USA rasch voranschreitet.
Im Zusammenhang mit
diesen beiden Ländern stellen sich jedoch auch Fragen zu den sozialen (S) und
governancebezogenen (G) Dimensionen von ESG. Erschwinglichkeit,
Energiesicherheit, Genehmigungsverfahren und Marktgestaltung werden hier immer
relevanter.
ESG im Wandel unter
KI-Einfluss
Die ESG-Umsetzung
entwickelt sich weiter. Kritik kam auf, weil die Sektoren Verteidigung und
Energie im vergangenen Jahr am besten abschnitten. ESG bedeutet jedoch nicht,
alle Energie- oder Verteidigungsunternehmen auszuschließen. Stattdessen geht es
darum, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Resilienz in Anlagestrategien und
Risikomanagement zu integrieren.
KI und Digitalisierung
verändern zudem die ESG-Risiken und -Chancen. Themenfonds für KI und Big Data
haben hohe Mittelzuflüsse verzeichnet. KI-Lösungen verbessern die betriebliche
Effizienz in Bereichen wie Smart-Grid-Management, Präzisionslandwirtschaft und
Logistik sowie die Diagnostik und den Zugang zu Dienstleistungen im
Gesundheitswesen („S“-Säule von ESG).
Der Ausbau der
KI-Infrastruktur, insbesondere großer Rechenzentren, treibt jedoch den Energie-
und Wasserverbrauch in die Höhe. Zudem sind KI-Modelle an der Verbreitung von
Falschinformationen und dem Verlust von Arbeitsplätzen beteiligt, was die
Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Wandels in der Arbeitswelt
unterstreicht.
Klimawandel: Anpassung
an Auswirkungen
Die Anpassung an den
Klimawandel wird als Anlagethema wichtiger, da sich Klimarisiken zunehmend
auswirken. Die weltweiten Schäden werden auf rund 200 Mrd. US-Dollar pro Jahr
geschätzt. Neue Wachstumschancen ergeben sich aus der Anpassung und Resilienz:
- Wasser: Die Wasserknappheit verschärft sich. Unternehmen, die Technologien für Wasserrecycling, -aufbereitung und -verteilung anbieten, sind sowohl für die Klimaanpassung als auch für die Deckung des wachsenden Bedarfs in Sektoren wie Rechenzentren und Industrie entscheidend.
- Infrastruktur: Die Notwendigkeit, die Infrastruktur vor extremen Wetterereignissen zu schützen, treibt die Nachfrage nach widerstandsfähigen Baumaterialien, Dämmstoffen und robuster Technik. Unternehmen, die Dämm- und Abdichtungsprodukte anbieten, sowie solche, die an Hochwasserschutz und widerstandsfähigen Verkehrsnetzen beteiligt sind (z. B. Anbieter von Engineering-Software), spielen eine Schlüsselrolle.
- Katastrophen und Notfälle: Unternehmen, die Notfallreparaturen durchführen und Lieferketten widerstandsfähiger machen, gewinnen an Bedeutung. Der Umgang mit klimabedingten Störungen hat für viele Organisationen hohe Priorität.
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DPAM - Degroof Petercam Asset Management
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