Julie Gossen und Lina Arrifi, Spezialistinnen für verantwortungsbewusstes Investment bei DPAM, nehmen zwei globale Wirtschaftsmächte unter die Lupe, die in Sachen Nachhaltigkeit in unterschiedliche Richtungen unterwegs sind. Grundlage ist das firmeneigene Länderbewertungsmodell von DPAM.
Photo credit: DPAM
In der aktuellen Ausgabe dieses Nachhaltigkeitsrankings rutschten die USA
unter den OECD-Mitgliedstaaten fünf Plätze ab auf Rang 34:
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Bevölkerung, Gesundheitsversorgung und
Vermögensverteilung
Einer der schwächsten Bereiche der USA. 17 % des BIP für die
Gesundheitsversorgung ausgegeben (mehr als in jedem anderen OECD-Land), dennoch
verzeichnet das Land die sechsthöchste Säuglings- und die fünfthöchste
Müttersterblichkeit. Grund ist ein ineffizientes System mit fragmentierten
Versicherungen und ungleichem Zugang zu Vorsorge- und Grundversorgung. Die USA
zählen insgesamt zu den ungleichsten Volkswirtschaften der OECD.
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Transparenz und demokratische Werte
Die USA liegen in Bezug auf Transparenz, Vertrauen in Institutionen und
demokratische Regierungsführung im vierten Quartil. Das Vertrauen der
Öffentlichkeit in Regierung und Medien hat erheblich nachgelassen. Die
Pressefreiheit liegt auf einem historischen Tiefstand. Wegen Desinformation und
zunehmender Einschränkungen der Presse rangiert das Land in Bezug auf die
Medienfreiheit unter den letzten zehn OECD-Ländern. Dass große
Nachrichtenagenturen keinen Zugang mehr zum Pentagon haben, wirft Bedenken
hinsichtlich der Transparenz der Regierung und der Rechte aus dem Ersten
Verfassungszusatz auf. Herausforderungen bestehen außerdem bei Fragen der
Inklusion und Gleichbehandlung.
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Umwelt
Hier ging es binnen eines Jahres um sechs Plätze abwärts – auf Rang 26. Grund
sind die jüngsten politischen Kehrtwenden: Elemente des föderalen Rahmens für
Umweltgerechtigkeit wurden abgebaut und Klimainitiativen gestoppt. Die längerfristige
Entwicklung des Umweltschutzes in den USA ist damit ungewiss.
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Bildung und Innovation
Die USA gehören zu den acht besten OECD-Mitgliedern, was den Anteil der
Hochschulabsolventen und die Bildungsausgaben angeht. Das Land ist weltweit
führend im Bereich Innovation. Getrübt wird das Bild durch Bildungsungleichheiten
und Finanzierungsunterschiede. Zudem haben die jüngsten Änderungen in der
Einwanderungspolitik internationale Studierende verunsichert, die zum US-Innovationsökosystem
beitragen.
Indiens ESG-Bewertung ist zuletzt dagegen stetig gestiegen. Das Land ist damit zum
ersten Mal im dritten Quartil des Schwellenländer-Rankings vertreten.
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Bevölkerung, Gesundheitsversorgung und
Vermögensverteilung
Erhebliche Fortschritte wurden bei der Verringerung der Arbeitslosigkeit
und der Einkommensungleichheit erzielt. Der Anteil der Menschen, die unterhalb
der internationalen Extremarmutsgrenze leben, ist stark zurückgegangen; die
Ungleichheit hat abgenommen. Herausforderungen wie informelle Beschäftigung und
regionale Ungleichheiten bleiben jedoch bestehen.
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Transparenz und demokratische Werte
Die Governance-Indikatoren halten nicht Schritt mit dem wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritt des Landes. Es gibt regelmäßige Wahlen und eine aktive
Zivilgesellschaft, erhebliche Mängel bestehen jedoch in der Regierungsführung
und durch Einschränkungen der Grundfreiheiten. Indien bleibt mehreren
internationalen Rechts- und Abrüstungsrahmenwerken fern. Auch die
Pressefreiheit steht unter Druck: Im Weltpressefreiheitsindex 2024 liegt Indien
auf Platz 159 von 180 Ländern.
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Umwelt
Indien ist weiterhin stark abhängig von Kohle (46 % der gesamten
Energieversorgung) und inzwischen der drittgrößte CO2-Emittent weltweit. Allerdings
hat das Land seine Kapazitäten für erneuerbaren Energien in den letzten zehn
Jahren verdreifacht.
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Bildung
Hier überzeugt Indien mit einem nahezu universellen Zugang zur
Grundschulbildung und steigenden Einschulungszahlen im Sekundar- und
Tertiärbereich. Die Lernergebnisse und Abschlussquoten geben jedoch weiterhin
Anlass zur Sorge, insbesondere jenseits der Sekundarstufe I.
Die Rankings und das Modell von DPAM
DPAM ist seit 2007 ein Pionier bei der Bewertung der Nachhaltigkeit von
Ländern. Das firmeneigene Modell basiert sowohl für OECD-Länder als auch für
Schwellenländer auf den oben beschriebenen vier wesentlichen Faktoren, die
anhand verschiedener Kriterien und Indikatoren bewertet werden. Das Modell wird
zweimal jährlich überprüft.
DPAM nutzt die resultierenden Rankings als Grundlage für den eigenen Investmentansatz.
Autoritäre und unfreie Länder sind von Investitionen ausgeschlossen.
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DPAM - Degroof Petercam Asset Management
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